Der Bernwardshof war einst im Besitz des Hildesheimer Bischofs Bernward, der ihn dem von ihm gegründeten Michaeliskloster schenkte. Als sogenannter „Sattelhof“ diente er der Unterbringung der Reitpferde des Bischofs und seiner Geistlichen.
Noch im 18. Jahrhundert gehörte der Hof zum Klosterbesitz, bevor er in den Besitz der Familie von Sierstorpff überging. Im 19. Jahrhundert wechselte der Hof mehrfach die Eigentümer, bis ihn die Kongregation der Vinzentinerinnen übernahm. Diese nutzten das Anwesen zunächst als Erholungsheim für Ordensschwestern und später als Kinderheim für Jungen – eine Einrichtung, die bis 1987 bestand.

Nach Schließung und zeitweiliger Nutzung als Flüchtlingsunterkunft wurde das Gelände 2016 verkauft und zu einem modernen Wohnquartier umgestaltet. Zugleich wird die Vergangenheit des Hauses kritisch aufgearbeitet: Berichte über Gewalt in der Zeit des Kinderheims führten zu unabhängigen Untersuchungen, um die Geschehnisse aufzuarbeiten und den Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Bei Bauarbeiten im Jahr 2021 kamen auf dem Gelände des heutigen Wohnquartiers Bernwardshof spektakuläre archäologische Funde ans Licht. Skelette und ein hölzerner Sarg belegen, dass hier bereits im 8. oder 9. Jahrhundert Menschen lebten – also lange vor der urkundlichen Ersterwähnung Himmelsthürs im Jahr 1022.

Untersuchungen datieren die Knochen auf die Zeit zwischen 775 und 987 n. Chr., der Sarg wurde sogar aus einem um 760 gefällten Baum gefertigt. Diese Funde zeigen eindrucksvoll, dass Himmelsthür eine viel ältere Geschichte besitzt, als es die Jubiläumsfeier „1000 Jahre Himmelsthür“ 2022 vermuten lässt.
