Im Baugebiet rund um den ehemaligen Bernwardshof in Himmelsthür hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt. Das Areal wurde 2016 von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul an das Unternehmen „Von der Mark“ verkauft. Das Konzept des neuen Eigentümers sah von Beginn an ein generationenübergreifendes Wohnquartier vor, das sowohl Familienhäuser als auch betreutes Wohnen und ursprünglich studentisches Wohnen umfassen sollte. Ziel war eine harmonische Verbindung von Altbestand, Neubauten und Grünflächen, die den historischen Charakter des Geländes berücksichtigt.
Bisher wurden fünf Mehrfamilienhäuser und acht Reihenhäuser errichtet, fast alle Wohnungen sind bereits vermietet. Die nördlichen Bereiche des Geländes mit Parkflächen und historischen Gebäuden bleiben weitgehend erhalten, während Neubauten vor allem im südlichen Bereich realisiert wurden. Gleichzeitig wurden archäologische Untersuchungen durchgeführt, bei denen ein frühmittelalterliches christliches Gräberfeld entdeckt wurde, das neue Erkenntnisse zur Besiedlung Himmelsthürs liefert.
Im Zuge der Vermarktung durch die Gesellschaft ImmoVerde wurden die ursprünglichen Pläne angepasst: Anstelle des geplanten studentischen Wohnens entstehen im ehemaligen Bettenhaus nun barrierefreie Service-Wohnungen für Seniorinnen und Senioren, einschließlich Gemeinschaftsräumen. Die Fertigstellung ist noch im Jahr 2025 vorgesehen, die Vermietung soll bereits im Juni 2026 beginnen. Im Anschluss soll auch das historische Gebäude in der Silberfinderstraße zu seniorengerechten Wohnungen umgebaut werden, ein genauer Zeitplan dafür steht jedoch noch aus.
Für das bisher unbebaute Eckgrundstück „Hinter dem Bernwardshof / An der Fohlenkoppel“ ist ein weiterer Neubau mit 30 Wohnungen geplant. Der Baubeginn ist jedoch erst für 2026 vorgesehen. Das Wohnquartier entwickelt sich damit Schritt für Schritt zu einem vielfältigen, generationenübergreifenden Lebensraum, der den historischen Bestand integriert und gleichzeitig modernen Wohnbedürfnissen gerecht wird.
Geschichte des Bernwardshofs
Die Ursprünge des Bernwardshofs reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Denn damals befand er sich im Besitz des Bischofs Bernward von Hildesheim, der ihn den Benediktinern von St. Michaelis zu Hildesheim schenkte. In der Überlieferung wurde er als „Sattelhof“ bezeichnet, da dort die Reitpferde des Bischofs und der hohen Geistlichkeit untergebracht waren.
Noch im 18. Jahrhundert gehörte der Hof zum Besitz des Hildesheimer Michaelisklosters. Der Kanzler des Hildesheimer Fürtsbischofs von Sierstorpff pachtete den Hof zunächst und kaufte ihn später. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verkaufte die Familie von Sierstorpff ihren Besitz in Himmelsthür. Im 19. Jahrhundert wechselte der Hof mehrfach seine Eigentümer. Schließlich erwarb die Kongregation der Vinzentinerinnen das Anwesen und leitete eine neue Ära in der Geschichte des Bernwardshofes ein.
20. Jahrhundert bis heute
Zunächst wurde der Bernwardshof von den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul als Erholungsheim für Ordensschwestern genutzt. Später diente er als Kinderheim für Jungen, insbesondere für schwer erziehbare Kinder. Diese Nutzung bestand bis 1987. Danach beherbergte das Gelände ein Erholungs- und Altenheim für Ordensschwestern sowie verschiedene Verwaltungseinrichtungen. Bis 2011 war dort auch das Bildungs- und Tagungshaus St. Vinzenz untergebracht.
Nach der Schließung wurde das Gelände zeitweise zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt, bevor es 2016 an ein Immobilienunternehmen verkauft wurde. In den folgenden Jahren entstand auf dem 20.000 Quadratmeter großen Areal ein modernes Wohnquartier mit barrierefreien Wohnungen und Reihenhäusern.
Parallel zur baulichen Entwicklung wird die Vergangenheit des Bernwardshofs kritisch aufgearbeitet. Berichte über physische, psychische und sexualisierte Gewalt während der Zeit als Kinderheim haben die Verantwortlichen dazu veranlasst, externe Untersuchungen in Auftrag zu geben, um die Geschehnisse transparent zu machen und den Betroffenen gerecht zu werden.
Archäologische Funde bei der Umwandlung
Während der Umwandlung des Bernwardshofes in ein neues Wohnquartier wurden bedeutende archäologische Entdeckungen gemacht. Zwischen November 2019 und Februar 2020 führten Archäologen Untersuchungen auf dem Gelände durch, da in der Umgebung bereits Funde aus dem Neolithikum bekannt waren. Dabei stießen sie auf ein christliches Gräberfeld aus dem frühen Mittelalter. Die Bestattungen, die auf das 8. oder 9. Jahrhundert datiert werden, belegen, dass in Himmelsthür bereits vor der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1022 Menschen lebten. Diese Funde erweitern das Verständnis der frühmittelalterlichen Besiedlung in der Region und unterstreichen die historische Bedeutung des Bernwardshofes.
Beiträge:
Endlich: Straßenschild für Bernhard-Kratzberg-Straße aufgestellt (30.8.2025)
Neues Wohnquartier Bernwardshof: Baufortschritte und offene Fragen (16.5.2025)