Geschichte

Ein Streifzug durch Himmelsthürs Geschichte

Urkunde Kaiser Heinrichs II. beweist die Existenz des Ortes im Jahr 1022

„Himmelsthür“ tritt namentlich erstmals im Kontext der Errichtung des Hildesheimer Michaelisklosters durch Bischof Bernward von Hildesheim in Erscheinung. Aus dem Jahr 1022 sind drei Urkunden überliefert, in denen es um die Besitzverhältnisse des Klosters kurz vor Bernwards Tod geht. Sie unterscheiden sich deutlich voneinander im Umfang der nach Orten aufgelisteten Güter. Daher geht man heute davon aus, dass es sich bei zwei Urkunden um nachträgliche Fälschungen des 12. Jahrhunderts handelt, die zurückdatiert worden sind. Himmelsthür taucht zum Glück in der für echt gehaltenen Urkunde Kaiser Heinrichs II. auf. Damit gilt die Ersterwähnung im Jahr 1022 anders als etwa bei Barienrode, das in den Fälschungen auftaucht, als gesichert.

Im Folgenden soll die Entwicklung Himmelsthürs in den vergangenen 1000 Jahren, soweit sie sich aus den Quellen rekonstruieren lässt, überblicksartig dargestellt werden. Die Texte und Bilder laden zu einem Streifzug durch die Geschichte ein. Ausführlicher ist die Historie Himmelsthürs bisher nur in einer vom Gemeinderat in den 1960er-Jahren herausgegebenen Chronik dargestellt, für die sich im Wesentlichen der Heimatforscher Edmund Albrecht verantwortlich zeichnete, sowie im Sammelband „Himmelsthür – Beiträge zur Geschichte“. Dieser ist unter Federführung von Karola Dönitz und Melsene Meyer aus einem Volkshochschulkurs hervorgegangen und im Jahr 1999 erschienen. Allerdings sind beide Veröffentlichungen heute – wenn überhaupt – nur noch antiquarisch erhältlich.

Die erste urkundliche Erwähnung Himmelsthürs

… rührt vom 3. November 1022 her und ist mit Bischof Bernward von Hildesheim und dem nördlich des Domes gelegenen Benediktinerkloster St. Michael verbunden. Das Schreiben entstammt einer Phase, in der Bernward kurz vor seinem Tod darum bemüht war, sein Werk zu vollenden. Es handelt sich um ein von ihm erwirktes Schutzdiplom des Kaisers Heinrichs II., der alle von Bernward übertragenen Besitzungen bestätigt. Nach dieser in lateinischer Sprache verfassten Quelle befanden sich unter den nach Orten aufgelisteten Gütern des Klosters
auch sechs Hofstellen mit dazugehörigem Ackerland in Himmelsthür. Das Michaeliskloster verfügte über einen großen Wirtschaftshof in Himmelsthür, der im Bereich der heutigen Mehrfamilienhäuser „An der Beeke“ lag. Die noch erhaltenen Torpfeiler des Klosterhofes an der Silberfinderstraße sind mit Reliefs des heiligen Bischofs Bernward (rechts) und des heiligen Erzengels Michael (links) verziert.

Das Himmelsthürer Wappen

… geht auf das Siegel des Adligengeschlechts derer von Himmelsthür zurück, das in Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts auftaucht. Am 9. April 1373 bezeugte ein gewisser Hermann von Himmelsthür den Verkauf eines Grundstücks an das Hildesheimer Sülte-Stift. An der noch erhaltenen Urkunde ist das Familiensiegel befestigt, dessen Hirschgeweih-Motiv zur Vorlage des Himmelsthürer Ortswappens im 20. Jahrhundert wurde. Bei dem Geschlecht derer von Himmelsthür handelte es sich um führende Mitarbeiter des Hildesheimer Bischofs.

Der Ortsname lautet in der in mittelhochdeutscher Sprache verfassten Urkunde Hymdesdore (s. Zeile 7 von unten). Diese Form ist eine Entwicklungsstufe von Hemethesdoron im 11. Jahrhundert bis zum heute gebräuchlichen Himmelsthür, das sich ab dem 17. Jahrhundert durchgesetzt hat. Sprachforscher meinen, dass der Name auf die althochdeutschen Wörter für Schutzwehr (hameide) und Tor (duru) zurückgeht und sich möglicherweise auf eine
ehemalige Landwehr vor Hildesheim bezieht.